Kleine Überraschungen

Kleine Überraschungen

…. damit muss man als Fahrer einer PreUnit Enfield schon mal rechnen – weiss jeder, der so etwas fährt. Auf der anderen Seite sind die alten Bullets, zumindest in meinen Augen, so schön, dass ich ihnen so ziemlich alles verzeihe. Und so ist das auch mit den heutigen Kleinigkeiten.

Mein kleiner Ausflug beginnt aber rundum positiv: Die graue No.1 springt prompt an, läuft perfekt im Standgas und reagiert perfekt auf jede Bewegung der rechten Hand. Was so ein bisschen Spiel im Gaszug und eine freie Leerlaufdüse doch alles bewirken können.

Enfield Bullet 500
Schon beim Herausschieben aus der Scheune muss ich ein Foto machen, einfach weil die Bullet so herrlich in der Sonne glänzt.

Dann geht es hoch hinauf auf fast 700 m nach Ulrichstein und von dort über Ober-Ohmen zurück in Richtung Feldatal. In Ruppertenrod haben wir dann schon die ersten 25 Kilometer hinter uns, und was soll ich sagen: So schön wie heute ist die Maschine schon lange nicht gelaufen. Neben der Leerlaufdüse dürfte auch das Wetter dabei eine Role spielen. Es ist sonnig und klar, aber für einen Sommertag ein wenig kühl. So etwas mag der gute 28er Micarb-Vergaser.

Enfield Bullet 500
Das Feldatal streife ich heute nur und ziehe weiter in den Kirtorfer Wald. Hier an der Schutzhütte und ganz nah an der Autobahn gönne ich mir ein Schlückchen Wasser, schaue nach dem Öl und lobe die Graue für ihr vorbildliches Verhalten.
Enfield Bullet 500
Aber lange wird hier nicht pausiert und ich starte dann in Richtung Maulbach und Appenrod. Über Dannenrod nehme ich alsdann Kurs auf Schweinsberg und damit auf das Amöneburger Becken.
Enfield Bullet 500
Nach wie vor läuft die Bullet sowas von gut – es ist fast ein bisschen unheimlich. Im Angesicht des „Pickels“ gönne ich uns dann auf diesem schönen kleinen Rastplatz ein Päuschen. Den Aufstieg hoch hinauf ins Städtchen lasse ich heute bleiben.
Enfield Bullet 500
Heute nehme ich mal Kurs auf den kleinen Flugplatz, den ich über schöne Wirtschaftswege erreiche. Flugbetrieb ist gerade keiner, aber das Befahren der kleinen Sträßchen macht viel Vergnügen. Und ein Stück hinter dem Flugplatz habe ich einen prima Blick auf die Werft und auf Amöneburg selbst.
Enfield Bullet 500
Hier ist schön zu erkennen, wie flach das Becken ist. Umgeben von Vogelsberg und den Lahnbergen ragen nur die drei Berglein mit den Städtchen Amöneburg, Schweinsberg und Homberg aus dem flachen Gelände heraus.

Als ich weiter will, kicke ich den Motor etwas zu behutsam durch, der daraufhin zurück patscht und dabei den Vergaser aus dem Gummistutzen schiebt. Das hat No.1 schon jahrelang nicht mehr gemacht, und umso überraschter bin ich heute davon. Aber wer weiss, vielleicht habe ich ja auch vorgestern die Vergaserschelle nicht ordentlich angezogen. Na, wie auch immer, der Vergaser ist schnell wieder eingeschoben und jetzt auch ordentlich verschraubt. Sofort zeigt sich No.1 wieder als one-kick-wonder und bollert im Stand, als wäre nichts gewesen.

Ich halte jetzt auf den Ebsdorfergrund zu, den ich komplett in seiner gesamten Länge durchfahre. Kurz vor Erreichen der Rabenau spotzt und knallt die Enfield aber los – kurzer Schreck, aber das Umschalten auf Reserve behebt das Spotzen auf der Stelle. Klar, auf der vorletzten Fahrt hat der Akku des Fahrradtachos, der bei mir haupsächlich als Tageskilometerzähler dient, seinen Geist aufgegeben. Mit dem neuen Akku wurde natürlich die Anzeige genullt, und deshalb muss ich schon nach (angezeigten) 125 Kilometern umschalten. Also alles klar.

Etliche Kilometer fahre ich dann durch die Rabenau mit einem dicken Quad zusammen. In den Kurven bleibt das Quad regelmässig zurück, holt aber auf jeder Geraden auf. Wir passen also ganz gut zusammen. Bis Bernsfeld geht das so, dann trennen sich unsere Wege. Nett!

Enfield Bullet 500
Ich will noch einen kleine Schlenker bis an den Rand des Feldatal machen, aber diesmal von der anderen Seite, so dass sich hier quasi der Kreis schliesst. Von Elpenrod gehts dann in Richtung Ruppertenrod, also schon deutlich in Richtung Heimat. Mit einem schönen Blick über das Feldatal verabschiede ich mich von dieser schönen Landschaft.

Jetzt geht es noch ein paar Kilometer durch schöne Waldstrecken und dann taucht unten im Tal auch schon Ruppertenrod auf – als meine No.1 erneut spotzt und knallt. Mir ist sofort klar, dass ich das Tanken einen Tick zu lange aufgeschoben habe. Aber OK, ich kann erstmal ca. 2 Kilometer den Berg hinunter  die Fuhre rollen lassen, wobei mich der Schwung noch durch den halben Ort schiebt. Das Abbiegen in Richtung der (einzigen) Tankstelle klappt auch noch mit dem Restschwung, so dass ich lediglich runde 500 m schieben muss. Ist ja auch nicht soo heiss heute und so kann ich dabei durchaus entspannt bleiben. Die Kartentankstelle hat ja Tag und Nacht geöffnet und nachdem ein vom Babygeschrei genervter Papa es endlich geschafft hat, das Terminal zu bedienen, kann ich mir den Tank voll machen. Ist auch wirklich nur noch ein winziger Rest drin, die Reservestellung hat ganze Arbeit geleistet.

Nach dem Tanken reicht wieder ein Kick und es kann weiter gehen. Und wie schon auf der gesamten Fahrt läuft die Maschine unglaublich schön. OK, der Kolben kippt etwas im Zylinder und klappert somit, der Ventiltrieb zeigt auch, dass die Toleranzen überall erreicht sind, ein wenig Öl genehmigt sich die Gute auch, aber insgesamt bin ich mehr als zufrieden. Jedenfalls ist es noch deutlich zu früh, den Reservemotor mit 535 ccm einzubauen. Nein, so weit ist es noch nicht.

Aus meine kleinen Runde sind dann doch schöne 150 Kilometer geworden. Und der Fahrspaß war wieder enorm. Ich bin ziemlich sicher, dass meine beiden Enfields und ich bis zum bitteren Ende zusammen bleiben werden. Möge es noch lange nicht so weit sein.

 

Die Kommentare sind geschlossen.